Wortakrobat im Fußballfieber

Lüdinghausen - Große Tafeln verkünden derzeit im Ricordo eine „Fußball-freie Zone“ für alle Flüchtlinge dieses Ballsports. Am Donnerstagabend fielen die Worte „Fußball“ und „Weltmeisterschaft“ trotzdem das eine oder andere Mal. Grund war jedoch keine Public-Viewing-Veranstaltung zur WM, sondern der Ein-Mann-Auftritt des Hammer Kabarettisten Andreas Obering, besser bekannt als „Der Obel“. Bereits zum dritten Mal war der Kabarettist im Ricordo zu Gast.
Schon in der Begrüßung stimmte „Der Obel“ sein Publikum auf zwei Stunden geistreiche Wortspiele ein. „Viele alte Gesichter sehe ich“, begrüßte er, „doch leider kenne ich keins.“ Sofort nutzte er das „andere Kommunikationsumfeld“ und begab sich im Gegensatz zu Auftritten in großen Hallen zu seinen Zuschauern hinab. „Seid locker, ihr habt den Ärger zu Hause gelassen. Der ein oder andere hat ihn vielleicht noch neben sich“, meinte der Comedian während er die Ehesituationen seiner Zuschauer überprüfte. Nachdem er dem Publikum das „Euchzen“ angeboten hatte, kam „Der Obel“ gleich zu seinem Lieblingsthema: dem Fußball natürlich. „Ich bin total aufgeregt. In zehn Tagen fliege ich nach Südafrika“, schwärmte der bekennende Freizeit-Kicker. Als Einstimmung auf den fest geglaubten Sieg der deutschen Nationalelf gab Andreas Obering sogleich eine Kostprobe aus den bewegenden Momenten der Weltmeisterschaft 1954. Doch nicht nur der Stadionsprecher vom „Wunder von Bern“ gehört zum Repertoire des Kabarettisten. Ob der Frosch Kermit, Boris Becker oder Trappatoni - „Der Obel“ kommentierte in amüsanter Weise aktuelle Ereignisse der Politik, des Sports und der Stars und Sternchen. Musste Andreas Obering die westfälischen Gemüter zunächst aufheizen, so lief er bei spontanen Gesprächen mit dem Publikum zu Höchstform auf. Als es hieß „Ich spiele das letzte Stück“ bedauerten die Zuschauer dies so laut, dass selbst „Der Obel“ überrascht war. „Ihr seid so locker - und merkt es nicht einmal.“ Ein letztes Stück war sein Fußballlied indes nicht. Gleich drei Zugaben als Peter Maffay, Ozzy Osbourne und sich selbst folgten, bis „Der Obel“ sich tatsächlich verabschiedete mit den Worten „Ihr wart ein klasse Publikum, aber ich war auch gut.“ Recht hatte er.

11 · 06 · 10

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