Der Obel begeisterte sein Heimatpublikum im Maximilianpark
-irm- Hamm. Ausgestattet von seinem "neuen Hauptsponsor" und deswegen kaum wiederzuerkennen stand “der Obel" auf der Bühne. Eine dicke Hornbrille aus den 70-er Jahren im Stil eine Friedrich Nowottnys, ein fast unauffälliges, aber garantiert geschmackloses Kassengebiss und zwei bunte Plastikbecher als "Bluetooth-Hörgerät" am Ohr traf garantiert die Zielgruppe in den ersten beiden Reihen:Feucht lispelnd, schmatzend und in seiner Aussprache deutlich hörbar beeinträchtigt, lästerte der Kabarettist über zukünftige "Einschnitte" bei den gesetzlichen Kassenleistungen. Damit hatte er von Anfang an die Sympathie des Publikums auf seiner Seite. So startete der Heimische Comedian Andreas Obering am Freitag sein neues Bühnenprogramm "Alles rund" in der gut besuchten Werkstatthalle im Maxipark.
Doch Thema Nummer eins war - natürlich - Fußball.
"Was wir dort verteidigen, kannn man hier am Bahnhof kaufen - und nicht nur als Mohnbrötchen." "Der Obel"
Schließlich heißt "nach der Europameisterschaft ist vor der Weltmeisterschaft". Und die findet ja bekanntlich im nächsten Jahr in Südafrika statt."Der Obel" als Fachmann "Giovanni Trabbatore" erläuterte in "Trappatoni weiß Sagungen, einer "Live-Schaltung" von der Leinwand, worin die Ursachen des kürzlich verlorenen Spiels gegen Norwegen lagen:"Ein Materialfehler. Die Lederschuhe sind schuld, dassa die schweißnassen Füße am Ball abrutschen oder wassa isse los mit e Spiela?" Dass er dabei an Erfolge seines letzten Programms wie die gekonnte Parodie von Herbert Zimmermanns Radioreportage der 54-er WM anknüpfte, brachte ihm einigen Zwischenapplaus ein. Der Comedian kennt eben sein Publikum und spielte mit spontanen Einlagen seinen Heimvorteil aus.
Als bekennender Mensch "von früher" erinnerte "Obel" an alte Zeiten der "Sesamstraße", als das Krümelmonster noch Kekse futtern durfte und Oscar in einer Mülltonne hauste. Dank der in Amerika modernen Umfragen und Forschungsergebnisse haben sich Veränderungen ergeben: Weil viele Kinder zu dick sind, herrsche Keksverbot, Grobis Ruhelosigkeit werde als "ADS" erklärt. Ob Oscar im gelben Sack oder in der Restmülltonne lebe, sei unklar, und wegen einer Sesamunverträglichkeit heiße die Sendung jetzt "Soja-Straße".
Doch nicht nur tiefschürfende Fragen des Fußballs und des "Früheren", sondern auch politische Themen spürte Obering in seinen "Der-Obel-Nachrichten" nach. Klar, dass da Kanzlerin Angela Merkel in einer "Live-Schaltung" auf der Leinwand nicht fehlen durfte. Die jedoch entpuppte sich bald als Double, hinter dem sich Altkanzler Gerhard Schröder verbarg.
Neben den Parodien meldete sich der Kabarettist natürlich selbst zu Wort: Für ihn sei ein Verkehrsminister ohne Führerschein gleichzusetzen mit einem Legastheniker als Deutschlehrer. Fast im gleichen Atemzug hinterfragte er den Bundeswehreinsatz am Hindukusch. "Was wir dort verteidigen kann man hier am Bahnhof kaufen - und nicht nur als Mohnbrötchen."
Das Publikum genoss den unterhaltsamen Abend mit dem Comedian und Kabarettisten. Mit seinen Parodien und bissigen Kommentaren löste er Begeisterungsstürme mit glimmenden Wunderkerzen aus, eben ein Heimspiel für den "Obel".
Quelle: Westfälische Nachrichten, 16.02.2009