Gib mich die Kirsche

Die kabarettistische Fußballshow

31.05.2004 • Der Ball, das Leben und der Ruhrpott

Fußball - eine bierernste Angelegenheit? Von wegen! Auch wenn es auf dem grünen Rasen zuweilen sehr verbissen um Tore, Punkte, Meisterschaft geht, verfügt die wichtigste Nebensache der Welt doch noch immer über ein enormes Humorpotenzial. In "Gib mich die Kirsche" machen sich so namhafte Kabarettisten wie Herbert Knebel, Fritz Eckenga, Lioba Albus, Frank Goosen, Hans-Günther Butzko, Der Obel und Ludger Stratmann ausgesprochen erstaunliche Gedanken über das Runde, das unter allen Umständen ins Eckige muss.

 

Durch die Sendung führen Gerburg Jahnke vom Kabarett-Duo "Missfits" und WDR2-Mann Manni Breuckmann, der mit seinen Reportagen in "Liga Live" oft für befreienden Torjubel sorgt und im Tippspiel "Manni gegen des Rest der Welt" als nahezu unbezwingbarer Zocker gilt. Da auch Frau Jahnke sehr viel Ahnung von Fußball hat (insbesondere, was die fachfrauliche Beurteilung von Männerbeinen angeht), darf man ohne Weiteres von einem wahren Traum-Duo sprechen, das sich durch gekonntes Doppelpass-Spiel auszeichnet. Im Oberhausener Ebertbad begrüßen die beiden nicht nur professionelle Spaßmacher, sondern auch Größen aus der Fußballwelt sowie den "Ruhrkohle-Steigerchor", der die schönsten Fan-Gesänge aller Zeiten anstimmen wird. Anpfiff ist um 20.15 Uhr, und natürlich gilt gerade für diese Show das alte Herberger-Diktum: Ein Spiel dauert 90 Minuten.

 

Im Mittelpunkt von "Gib mich die Kirsche" steht das Ruhrgebiet. Und das aus gutem Grund: Ruhrpott und Fußball, das gehört einfach zusammen - seit mehr als hundert Jahren.Während der FC Schalke zum hundertsten Geburtstag ein Musical auf die Bühne bringt, überlässt das WDR Fernsehen ausgesucht konterstarken Kabarettisten das Feld - zum Beispiel dem Ur-Essener Herbert Knebel, der in bewährter Manier über die Faszination Fußball philosophieren wird. Fritz Eckenga kommt aus Dortmund und schlüpft in die Rolle eines Club-Managers. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind nicht auszuschließen. Wortvulkan Lioba Albus betrachtet das Geschehen in den Fußball-Stadien aus sauerländischer Perspektive - und aus sehr weiblicher, wohlgemerkt.

 

Keinesfalls fehlen darf auch Frank Goosen: Der Kabarettist und Schriftsteller ist schließlich waschechter Bochumer und obendrein Mitherausgeber der im März 2004 erschienenen Anthologie "Fritz Walter, Kaiser Franz und wir - Unsere Weltmeisterschaften". Hans-Günther Butzko wiederum wurde in Gelsenkirchen geboren: Stadtteil Schalke. Direkt gegenüber dem Stadion. Das hat Folgen: "Was Konrad Lorenz für die Gänse is, is Schalke für mich", bekennt der Comedian. Da ist er ja in der Fußball-Show des WDR Fernsehens genau richtig. Auch Ludger Stratmann, der mit seiner eigenen Show längst zur Stammelf des WDR Fernsehens gehört, ist ein Kind des Ruhrgebiets - und macht sich in "Gib mich die Kirsche" so seine Gedanken über spuckende Fußballer. Und von denen soll es ja eine ganze Menge geben. Der Obel schließlich wurde in Hamm am Rande des Ruhrgebiets geboren und sorgte im Kinofilm "Das Wunder von Bern" als legendärer Radioreporter Herbert Zimmermann für Wirbel. Am Pfingstmontag gibt er exklusiv für das WDR Fernsehen erneut den Live-Reporter. Da wird er einiges zu tun haben.Außerdem greifen ins Spielgeschehen ein: Unvergessliche Helden des Revier-Fußballs, darunter das Original Willi "Ente" Lippens, der mit RW Essen 1955 Deutscher Meister wurde, und Hermann Gerland, einst Bochumer Abwehrrecke und derzeit erfolgreicher Trainer der Bayern-München-Amateure. Abgerundet wird die Show durch verblüffende Einspielfilme, kostbare Schätze aus dem WDR-Archiv und Gesangseinlagen des "Ruhrkohle-Steigerchors" - von "Steht auf, wenn Ihr Schalker seid!" bis "Ole, hier kommt der BVB". Apropos BVB: Der Titel der Show geht natürlich auf den Dortmunder Torjäger Lothar "Emma" Emmerich zurück. Wenn der von seinen Mitspielern ganz dringend den Ball haben wollte, rief er lautstark: "Gib mich die Kirsche!" Eine von zahlreichen Geschichten, die der Ruhrpott-Fußball schrieb.

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