Spontanes Mundwerk

Der Obel zeigt seine neue Show


Von Gisbert Sander - HAMM - Eine starke Leistung war das, was "Der Obel" gestern den rund 350 Zuschauern in der Werkstatthalle des Maximilianparks mit seinem neuen Programm "Alles rund" bot. "Stark" vor allem deshalb, weil ihm sein eigenes "Ich" reicht, um eine gut zweistündige, sehr abwechslungsreiche Show zu absolvieren. Ein zweites "Ich" braucht er nicht - darauf spielte er gegen Ende mit dem zum "Du denkst, ich red' Quark" umgemünzten "Ich&Ich"-Hit "Du denkst, ich bin stark" an. Sein Mundwerk und seine Spontaneität sind die Pfunde, mit denen Obel wuchern kann. "Stark" ist er vor allem da, wo er auf Publikumsreaktionen eingeht, sie einfordert und direkt auf die Zuschauer zugeht. Da kann man ihm überhaupt nicht krumm nehmen, dass er mit einem Trick das eher müde Klatschen nach der Fred-Bertelmann-Nummer als lachender Vagabund zur Begrüßung in geradezu euphorischen Applaus verwandelt.


Spürbar wird die Weiterentwicklung des Vorgänger-Programms nicht nur an den Videoeinspielungen (diesmal ist Gerhard Schröder als Angela Merkel verkleidet), sondern auch an Bezügen zum Fußball, die immer wieder vorkommen und in der zwar nicht neuen, aber immer wieder grandiosen - und mit Zwischenapplaus bedachten - Parodie-Variation auf Herbert Zimmermanns Radioreportage von der Fußball-WM 1954 gipfelt.


"Früher" macht Obel - mittlerweile selbst "in die (besten) Jahre" gekommen - häufig zum Thema. Bei der Sesamstraße beispielsweise, die (ernährungs)politisch korrekter jetzt "Soja-Straße" genannt werden müsste, weil das Krümelmonster keine Kekse mehr krümeln darf: Amerikanische Kinder werden zu dick... Gewöhnungsbedürftig ist Kermits Exkurs zur Erschaffung der Welt - etwa nach dem Motto "Am Anfang war der Frosch"... Seitenhiebe auf die Anglizitis in Deutschland und Rechtschreibmängel gibt's ebenso vor der Pause wie eine grandiose Trappatoni-Einlage und Fußballer-Marotten, komprimiert persifliert im Song "Ich bin Libero" auf den Klassiker "Schöner Gigolo". Abwechslungsreich, aber fast etwas viel für eine Halbzeit.


Immerhin klappt die euphorische Begrüßung nach der Pause spontan. Und dann wird's sogar kabarettistisch mit Polit-Anspruch, als Obel auf den Ex-Verkehrsminister Wittke ("Das war wie ein Legastheniker als Schulminister") und den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan eingeht ("Wir verteidigen am Hindukusch das, was am Bahnhof verkauft wird."). Ein zwar nicht ganz rundes, aber ein volles, abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm.

Quelle: www.wa-online.de. vom 13.02.2009
Rubrik: Lokales


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