Trappatoni gibt Tipps für den Aufstieg
Mainzer Rheinzeitung zum Auftritt im Mainzer Unterhaus am 28.01.2008
Mainzer Rheinzeitung zum Auftritt im Mainzer Unterhaus am 28.01.2008
Trappatoni gibt Tipps für den Aufstieg
Der Obel serviert im Unterhaus meisterhaften Nonsens rund um Show-, Sport- und Politprominenz
MAINZ. Es müssen ja nicht immer gleich elf Freunde sein, findet Theo Zwanziger. Er regt an, dass eine Fußballmannschaft auch mit ein paar Spielern weniger auskommen könnte - und der Obel lotet gleich mal die Folgen solch eigenartiger Reformen aus: "Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen ... Rahn? Rahn ist gar nicht aufgestellt."
In Sönke Wortmanns Film "Das Wunder von Bern" spielte der Obel den Rundfunkreporter Herbert Zimmermann in Perfektion. Im Unterhaus legt er ihm nun seine perfide Variante zur WM 1954 in den Mund: Das Wunder findet diesmal nicht statt.
"Auf Asche" heißt das neue Programm von Andreas Obering, der in den 90ern mit Till Hoheneder als "Till und Obel" Comedy-Pop auf die Bühne brachte. Seit 2003 spart er sich jegliche Partner und steht allein als "Der Obel" seinen Mann. Angeblich will er diesmal "runter vom Kunstrasen der Spaßgesellschaft, rauf auf die Kampfbahn des Lebens".
Das aber bleibt zum Glück eine leere Drohung, denn Obel macht vor allem Spaß. Wunderbar gelingen ihm Persiflagen von Franz Beckenbauer bis Angela Merkel. Er lässt Ozzy Osbourne zur Melodie von "Dreamer" klagen: "Früher biss ich Fledermäusen Köpfe ab, / ich war der Fürst der Finsternis, / heute frag' ich mich, warum das mit Gebiss / nicht kla-a-a-apt." Oder er schlüpft in die Haut von Giovanni Trappatoni, um Mainz 05 höchst leidenschaftlich in Sachen Aufstieg zu beraten: "Ligete nit anne Publikum. Publikum immere gut schunkele."
So unterschiedlich die vom Obel verkörperten Typen auch sind, immer beweist er ein ungewöhnlich feines Gespür für den Rhythmus der Sprache, für die Melodie der Hits. Er legt nicht einfach neue ulkige Texte auf alte Takte, er dichtet exakt und schräg zum Original. Der Obel blödelt sich gekonnt durch Sport-, Show- und Politprominenz. Sein Peter Maffay ist ein Ausbund selbstverliebter Dämlichkeit und wird nur noch übertroffen von Boris Becker beim durchgeknallten "Boriz Quizz".
Dieser Comedian steht nicht für anspruchsvolles Kabarett, er suhlt sich lieber in meisterhaft komponiertem Nonsens. Charmant lächelt er nach einem außergewöhnlich albernen Kalauer ins grölende Publikum und meint: "Wenn ich gewusst hätte, dass das euer Niveau ist, das hätten wir schneller haben können." Dann fragt er: "Wie macht die Kuh?" - "Muh", dröhnt es. "Und wie macht die schwarze Kuh?" Schweigen. "Ey, muh, Mann!" Der Obel tut enttäuscht: "Daran müssen wir noch arbeiten." Immerhin, die Mainzer sind auf einem guten Weg. Gerd Blase
http://rhein-zeitung.de/08/01/30/Z/00000172.html
30.01.2008 © RZ-Online