Ikea-Einkauf vermasselt die Sportschau

Der Patriot | Lippstädter Tageszeitung am 23.10.2007

Der Patriot | Lippstädter Tageszeitung am 23.10.2007:
Ikea-Einkauf vermasselt die Sportschau

Der Kabarettist Obel zeigt sich in der erfrischenden Show „Auf Asche“ als Entertainer mit Reporter-Talent. Als Merkel verkleideter Gerhard Schröder nölt Andreas Obering mit heruntergezogenen Mundwinkeln

LIPPSTADT Er braucht die Massen, er braucht das Publikum, und ja - Andreas Obering braucht das Stadion. Eigentlich. Doch am Wochenende hat der als Obel bekannte Kabarettist aus Hamm auch mit der Studiobühne Vorlieb genommen.Obel hatte schon als Radioreporter Herbert Zimmermann im „Wunder von Bern“ mitgewirkt. Nach dem WM-Sommermärchen 2006 widmet er sich nun den Winterwahrheiten, mit knallharten Fragen und beinharten Antworten. In seinem Programm „Auf Asche“ begibt er sich aufs glatte Parkett der alltäglichen Verdrießlichkeiten und Eigenheiten.
Als Versicherungsvertreter stellt er mit entstelltem Gebiss sein Plastikbecher-Hörgerät vor. Klar: „Die Gesundheitsreform meint es nicht gut mit uns.“ Vom runden Leder will der Obel in seiner erfrischenden Ein-Mann-Show natürlich auch nicht lassen und beweist sich als wahres Reporter-Talent und als Entertainer.
Es ist seine unverhohlene, symphatisch-kaltschnäuzige Art und der trockene Humor mit denen er im heimischen Tonfall der westfälischen Denkweise einen Spiegel vorhält. Das fängt schon mit den Samstagnachmittagen an. Der „Mann des Volkes“ hört dann nämlich gerne Radio - Fußball. Doch Frau wünscht sich mal eben ein neues Regal von Ikea. „Sind ja noch 20 Minuten bis zum Anpfiff und im Auto kann man schließlich auch Radio hören“, denkt sich der Obel. Bis ihm und einem Ikea-Leidensgenossen nach tonnenweise Teelichtern, Schrauben und Bohren einleuchtet: „Sportschau Ade!“
Obel nutzt die Medien. Witzig und unterhaltend sind die Videoeinspielungen, auf denen er als rüder Fußballer, Schiri und als Merkel verkleideter Gerhard Schröder nölt und pölt. Das sind detaillierte Charakterstudien. Stimmlage, Mundwinkel und Dialekt sitzen perfekt. Er ist ein glänzender Stimmenimitator, mimt mit Breitbackengrinsen den Franzl Beckenbauer.
Und auch Trappatoni wird zur Glanznummer. Der regt sich im besten italo-deutsch darüber auf, warum der SV Teutonia Lippstadt 08 nicht schon längst in der Oberen Liga spielt und Boris Becker muss sich im TV-Quiz beweisen. Obel betreibt gerne Personenkult. Er nimmt sich Nachrichtensprecher und Hitparaden-Größen vor die Brust. Stilecht mit langer Matte, Gitarre und Fuchsschwanz ausgestattet wird er zu Peter Maffay, der auf seinem Motorrad entlang des Amazonas tourt. Die Musik ist fetzig, zwar typisch 70er, 80er-Jahre angehaucht, aber sehr effektvoll.
Obel ist mit dem Kreis Soest groß geworden, erinnert er sich an die „Kinderlandverschickung“ nach Welver. Der 13-jährige Lukas aus dem Publikum darf dann seinen Belehrungen standhalten. „In Lippstadt kriegst du ordentlich Spaß inne Backen“, hatte seine Frau noch gesagt. Ob er ihn hatte? Die Zuschauer hatten ihn jedenfalls mächtig und nach drei Zugaben war der Obel fix und alle.

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