Havixbeck. Er hatte schon ein seltsames Kennzeichen, der Wagen, der Dienstagabend vor dem Eingang zur Künstlergarderobe des Forums parkte – HAM-OO – der Wagen von Obel. Wer ist Obel? Ein Tipp: er spielt den Sportreporter Herbert Zimmermann in Sönke Wortmann’s Fußball-Epos „Das Wunder von Bern“. Auch Havixbecker erlebten einen Obel der Extraklasse, als er den unvergesslichen Herbert Zimmermann wenige Minuten vor dem Deutschen WM-Sieg in Bern: „Aus dem Hintergrund müsste Helmut Rahn schießen – Rahn? Rahn ist gar nicht aufgestellt.“
„Die meisten von Ihnen werden Rahn gar nicht mehr kennen, das ist solange her, der hieß Theo Zwanziger, den kennen Sie sicher, noch Theo Fünfziger.“ Obels Programm, „Der Obel auf Asche“, zappelte noch häufiger auf Sportniveau. Was sich bei der Vorstellung von Boris Becker als BBC-Informant weit unter der roten Asche, schon im Bereich einer Beleidigungsklage lag. Auch wenn es stimmte.
Obel kann sie alle. Er ist zweifellos einer der besten Parodisten und Stimmen-Imitatoren unter den modernen Commedians. Ob als Angela Merkel, als Trappatoni oder einfach nur als enttäuschter Fan vom FC Schneewittchen, der dort am Rande des Ascheplatzes, der Copa Cabana des kleinen Mannes, dem Schiedsrichter zubrüllt: „He, du schwatte Sau, ich weiß, wo deine Karre steht.“ Obel bricht sie alle. Im Forum jedenfalls spielt Obel Peter Maffey – echter als der selbst.
Auch die Fragen nach seiner Vergangenheit beantwortet er höflich: „Ich komm‘ vom Land. Bei uns sind noch Fliegengitter vor den Fenstern, damit die Tierchen nicht raus können. Ich bin ein Warmduscher, ein Obel, ein Hornhaut-Hobel. Passt doch?“
Politik lässt er aus. „Es sei denn, ich kriege Geld dafür.“ Dafür stellt er in den Niederungen der Klamotte den „Bama-Kassenpatienten des Jahres 2030 vor. Mit Glasbaustein-Drahtbrille, einem Gebiss mit schwarzen Lücken und einem Hörgerät aus Plastikbechern.
Auch persönlich hält er nichts zurück. Wie alt ich bin? Ich gehörte früher zu den Blödelbarden. Heute bin ich in einem guten Alter. Nicht mehr so doof wie früher, und nicht so krank wie später. Obel singt, parodiert, choreographiert alles meisterhaft. Der Mann aus Hamm ist ein echter Hammer. Schade für jeden, der ihn verpasst hat.