Schwein gehabt im Mexiko-Urlaub

Schräge Hits und Parodien im Mainzer Unterhaus

MAINZ. Auf dem Weg durchs Unterhaus auf die Bühne begrüßt der Obel sein Publikum per Handschlag. Dazu singt er den Evergreen vom lachenden Vagabunden. "Meine Welt ist bunt, / bei mir ist alles rund ..." Am Mikro angekommen schwärmt der Schlaks von seinem Urlaub in Mexiko. "Schwein gehabt." Dann hustet er und klagt: "Ich hab sooo "nen Kopf."

 


Obels nächstes Thema ist die Gesundheitsversorgung der Zukunft. Er setzt sich ein übles Kassengestell auf die Nase, schiebt ein schauriges Gebiss ein und klemmt sich zwei mit Schnur verbundene Becher als Hörhilfe ans Ohr. "Das Gesicht von 2030", zischelt er sehr feucht durch die schlecht sitzenden Zähne. Die Bewässerung der ersten Reihen ist gesichert. Wie war das noch mal? Tröpfcheninfektion? Fest steht jedenfalls: Die Schweinegrippe ist im Kabarett angekommen.

 


"Alles rund!" heißt das neue Programm von Andreas Obering alias der Obel. Hier widmet der 45-Jährige aus Hamm wieder all dem, was ihm wichtig ist - also vor allem dem Fußball und der Musik.

 


Der originell in Szene gesetzte Ausflug zur Vireninfektion ist eher untypisch für diesen Künstler zwischen Comedy und Kabarett. Lieber fragt er als Giovanni Trapattoni: "Wasse isse lose mite Fußeballe in Deutschland?" Darauf lässt er eine herrlich verschrobene Analyse folgen. Oder er mimt den Radioreporter Herbert Zimmermann, den er schon im Film "Das Wunder von Bern" verkörperte.

 


Die Glanzpunkte sind jedoch die Hits aus Rock und Pop: Als Ozzy Osbourne mit gefärbter Brille singt der Obel auf "Dreamer": "Früher biss ich Fledermäusen Köpfe ab, / ich war der Fürst der Finsternis. / Heute frag" ich, warum das mit Gebiss nicht klappt." Im Ich-&-Ich-Hit "Stark" parodiert er nicht nur Adel Tawil, sondern dazu auch noch Barack Obama, Ulla Schmidt oder Norbert Blüm mit "Die Renten sind sicher" und fragt: "Macht das alles einen Sinn?"

 


Dies sind die Momente, in denen die paar Texthänger des Abends vergessen sind. Mehr noch: Es sei dem Obel sogar verziehen, dass er recht viel aus seinem alten Solo "Auf Asche" recycelt hat. Aber nur, wenn er im nächsten Programm mehr singt und weniger quatscht.

 


Gerd Blase



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