Energievoll und authentisch
Westfälische Nachrichten • Kreis Coesfeld • Lüdinghausen am 09.09.2007:
Energievoll und authentisch
Lüdinghausen. Die „gefühlten 400 bis 500 Leute im Publikum“ lagen dem „Hammer“-Comedian schnell zu Füßen. Und das lag nicht an der Bühne, die er sogleich schmunzelnd zur „Erhöhung“ degradierte: „Der Obel“ alias Andreas Obering stattete dem Weinhaus Ricordo am Donnerstagabend einen Besuch ab und berauschte die Zuschauer mit seinem aktuellen Programm „Auf Asche“.
Er forderte die Gesellschaft auf, sich vom Kunstrasen der Spaßgesellschaft zu verabschieden und auf den aschigen Boden der Tatsachen zurückzukehren. Als selbsternanntes Vorbild weissagte er auch prompt die aschgraue Zukunft: Anschaulich demonstrierte er, wie in 20 bis 30 Jahren Zahnersatz und Sehhilfe aussehen werden. Wer schon einmal zu Karneval als schauriger Vampir unterwegs war, dem kam der „Zahnersatz“ in Größe „unisize“ doch sehr bekannt vor. Ergänzt wurde dieser mit einem unmöglichen Nasenfahrrad: Die perfekte Kostümierung für eine gesungene Persiflage auf eine bekannte Krankenkasse zur Melodie von „Sweet Home Alabama“. „Mit Einschnitten habe ich ja gerechnet, aber nicht in mein Zahnfleisch“, schloss er, als er das „Gebiss“ entfernte.
Den sportlichen und vor allem durch Fußball geprägten Titel, erklärte der geistreiche Wortakrobat so: „Auf Asche“ sei ein Synonym für Fußball und Fußball ein Synonym für das Leben. So war es nicht weiter verwunderlich, dass er direkt ein Beispiel aus dem wahren Leben anknüpfte. Als er es sich vor gar nicht langer Zeit gerade auf dem Sofa gemütlich gemacht hatte, um pünktlich den im Radio laufenden Fußballübertragungen zu lauschen, habe sich seine Frau an ihn herangepirscht und mit honigsüßer Stimme gesagt: „Schatz, ob wir mal eben“ – an dieser Stelle stoppte er, um diesen „ach so weiblichen Halbsatz“ näher zu betrachten. Das „ob“ lasse keine Möglichkeiten mehr offen. Es sei das männliche „das“. Wenn dann noch nach ‚wir’ ein „Tu-Wort“ komme, heiße das außerdem: ‚ich’. Von „mal eben“ wolle er gar nicht sprechen, denn es sei ohnehin der weiblichste aller weiblichen Begriffe. Nun vollendete sich der Satz mit „ein kleines Regal in der Küche anbringen können.“ Obel als zuverlässiger Ehegatte rechnete nach. Ein Brett – 20 Minuten, bis die Fußballspiele anfangen. „Okay, das schaffe ich“, lautete seine Antwort. Das anschließende „Gut, dann lass uns jetzt losfahren nach Ikea“, war wohl das Letzte, mit dem er rechnete. Ernst fügte er hinzu, dass seine Frau schon 20 Minuten gebraucht habe, sich „aufzubrezeln“. Eine Filmwand, die auch Liveschaltungen zu Boris Becker, Franz Beckenbauer oder Angela Merkel ermöglichten (komischerweise hatten alle große Ähnlichkeit mit Obel), bot reichlich Abwechslung. Bewundernswert war hier, wie auch bei der Einspielung der Jingles, die er treffend parodierte, die zeitliche Übereinstimmung. Denn die eingespielten Filmchen waren vor allem Interviews, in denen der Obel auf der Bühne fragte und der Obel auf der Leinwand antwortete.
Der Kabarettist präsentierte sich so spontan und schlagfertig, dass es ständig klatschte – für das Geräusch sorgte letztendlich das Publikum. Ein Programm voller Energie und dabei so authentisch in Wohnzimmer-Atmosphäre. An mancher Stelle erkannte man Parallelen zur hochkarätigen Comedy-Machart von Otto Waalkes. Mit den Worten: „Ihr wart das beste Publikum, das ich mir heute vorstellen konnte – aber ich war auch nicht schlecht“, verabschiedete sich Obel nach etwa zwei Stunden ohne Punkt und Komma und mehreren Zugaben von seiner „Erhöhung“.
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